Der Preis der Aufklärung

Es kommt immer wieder vor, dass Patienten aufgrund kritischer Medizin-Berichte Therapien abbrechen oder Medikamente absetzen, wodurch sich der eine oder andere sogar in Lebensgefahr bringt. Gerade in der Medizin kommt es öfters vor, dass Patienten Medikamente absetzen oder einen chirurgischen Eingriff ablehnen, nachdem sie Berichte über mögliche Risiken gelesen haben. Ärzte aus London und Manchester zeigen nun im British Medical Journal, welche Folgen es haben kann, wenn die Vor- und Nachteile solcher Therapien nicht nur im Fachbereich, sondern auch öffentlich in den Medien diskutiert werden. Nun stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre die Probleme und Risiken der Öffentlichkeit zu verschweigen, da kritische Artikel die Patienten eher verunsichern als aufklären.

Das Team um den Epidemiologen Anthony Matthews hat den Medikamentenkonsum am Beispiel der Statine analysiert, welche die Anzahl der Todesfälle und weiterer Herzinfarkte verringern sollen bei Patienten, die bereits einen solchen erlitten haben. Manche Forscher hingegen bezweifeln, dass diese Statine überhaupt erstmalig Infarkt und Schlaganfall zuverlässig verhindern können.

Nachdem im Herbst 2013 im British Medical Journal zwei kritische Fachartikel über Statine erschienen sind, in denen vor allem der Nutzen für Patienten mit geringerem Risiko bezweifelt wurde, erschien bis zum Frühjahr eine umfangreiche Berichterstattung in den britischen Medien. Als Folge darauf setzten hochgerechnet auf das Vereinigte Königreich schätzungsweise 200 000 Briten, die bereits Statine schluckten ihre Mittel ab. In den kommenden zehn Jahren rechnen Forscher mit bis zu 6372 zusätzlichen Todesfällen, sollten diese Patienten dauerhaft ihre Tabletten ablehnen.

„Wenn Medien ausführlich über Gesundheitsthemen berichten, kann sich das erheblich auf das Verhalten von Patienten wie Ärzten auswirken und das Befinden der Menschen beeinflussen“, sagt Liam Smeeth, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. „Im Fall der Statine könnten die Nebenwirkungen überbetont und das Vertrauen in ein Medikament zerstört worden sein, das viele Ärzte für wirksam und sicher halten.“

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Veröffentlichung 30.08.2016